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Langsam kam Leelu wieder zu sich. Sie konnte sich kaum bewegen, ihr Körper war seltsam kraftlos. Sogar das Öffnen ihrer Augenlider fiel ihr sichtlich schwer und selbst das gedämpfte Licht des Raumes, in dem sie sich befand, blendete sie. Ihr Kopf brummte, als hätte sie letzte Nacht zuviel über den Durst getrunken und so bemerkte sie erst nach ein paar Minuten die Ketten an ihren Händen und Füßen. Dann hörte sie jemanden ein paar Formeln murmeln und eine wohlige Wärme umgab sie. Ihre Kraft kehrte zurück und ihr Kopf war wieder frei. „Wir dachten du wachst gar nicht mehr auf“, sagte eine kräftige, aber freundliche, Stimme. Leelu richtete sich auf und blinzelte ihr Gegenüber an. Anfangs war noch alles verschwommen, doch recht schnell verging auch das. Vor ihr stand ein Mann mit dunkelbraunen und hinten zu einem Zopf zusammengebundenen Haaren, tiefbraunen Augen und sanften Gesichtszügen, höchstens Anfang zwanzig. Er trug eine rot-schwarze Robe, die, bis auf seinen Kopf, seinen ganzen Körper einhüllte und lächelte sie an. Verwirrt schaute sich Leelu um: Der Raum, in dem sie sich befand, war fast komplett leer. Nur der Boden war mit Teppich ausgelegt und an der Tür stand ein Tarutaru Wache und trotz der wenigen Kerzen war der doch recht große Raum in ein gemütliches Licht getaucht. Sie blickte an sich herunter und bemerkte, dass sie fast die gleiche Robe trug, wie der Mann vor ihr, nur dass ihre blau-schwarz war. Dann erinnerte sie sich wieder an ihre Fesseln und untersuchte ihre Hand- und Fußgelenke, doch die Ketten waren verschwunden. „Ich habe mir gedacht, dass die nicht mehr nötig sind“, fing der Magier wieder an, dem wohl Leelus prüfender Blick nicht entgangen war. „Aber du hast jetzt wahrscheinlich erstmal viele Fragen.“ Leelu nickte, immer noch leicht benommen und nicht sicher, was sie tun sollte. „Aber das hier ist der falsche Ort, um so etwas zu bereden. Folge mir!“ Der Tarutaru öffnete die Tür und der ihr immer noch Unbekannte ging hindurch. Leelu blieb noch kurz verdutzt sitzen, kam dann der Aufforderung aber nach und folgte. Der Gang sah aus wie der einer alten Burg, aber es war nicht annähernd so kalt, wie man es dann erwartet hätte. Im Gegenteil, es war sogar fast gemütlich warm. „Zuerst mal möchte ich mich für die Entführung und die Fesseln entschuldigen. Aber solange wir nicht wissen, ob du unserer Sache würdig bist, beziehungsweise ob du überhaupt mitmachen willst, können wir es nicht riskieren, dass du weißt, wo sich unser Versteck befindet. Und da jeder auf das Betäubungsgas anders reagiert, waren wir auch gezwungen dir erstmal Fesseln anzulegen. Es schläft bei weitem nicht jeder so ruhig und lange wie du.“ Leelu konnte sein Gesicht nicht sehen, aber war sie sicher, dass er lächelte. „Ach übrigens, mein Name ist John.“ Auf ihrem Weg kamen ihnen mehrere Personen entgegen. Sowohl Elvaans, als auch Mithras, Tarutarus, Galkas und Menschen. Aber keiner von denen trug so eine Robe wie Leelu oder John. Alle trugen schwere Rüstungen. Bei einigen Tarus schien die Rüstung sogar schwerer, als der kleine Krieger selber. Sogar ein männlicher Mithra war dabei. Da Leelu bis jetzt nur weibliche Mithra in Rüstung gesehen hatte, blieb ihr Blick an ihm hängen und als er an ihr vorbeigegangen war drehte sie sich noch nach ihm um. Das war dem Mithra nicht entgangen und er lächelte Leelu an und zwinkerte ihr zu. Schnell drehte sich Leelu wieder um und merkte wie sie knallrot im Gesicht wurde. John bekam von alldem nichts mit und lief unbeirrt weiter den Gang entlang. Plötzlich blieb er stehen und drehte sich nach links. Leelu lugte hinter ihm hervor, sah aber nur eine ganz normale Wand, die sich kein bisschen von der unterschied, an der sie die ganze Zeit entlang gelaufen sind. Erwartungsvoll schaute sie John an. Dieser tastete die Wand ab, bis eine Stelle unter seinen Fingern anfing zu leuchten. Leelu sah das Zeichen dort nur flüchtig, aber es war eindeutig das, was auch auf dem Zettel war, den sie in ihrem Zimmer gefunden hatte. Langsam fingen die Konturen der Wand an zu verschwimmen und die Oberfläche sah aus wie die eines Sees bei leichtem Wind. Und John ging hindurch… Da Leelu das irgendwie gar nicht mehr wirklich überraschte, zuckte sie nur mit den Schultern und folgte. Die „Wand“ fühlte sich so an wie Wasser; und zwar wie eiskaltes Wasser. Leicht durchgefroren kam Leelu nach ein paar Schritten auf der anderen Seite an. Immerhin fühlte es sich auch nur an wie Wasser und Leelu blieb dabei trocken. „Willkommen Leelu! Wir haben dich schon erwartet.“… |
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